Fachkräftemangel bezeichnet den Zustand, in dem offene Stellen mangels qualifizierter Bewerbungen nicht oder nur mit langer Verzögerung besetzt werden können. In der Schweiz ist er seit Jahren ausgeprägt – besonders in Gesundheitsberufen, im Bau- und Ausbaugewerbe, in der Gastronomie, in technischen Berufen und in der IT.
Warum der Mangel strukturell ist
Der Fachkräftemangel ist keine Konjunkturdelle, sondern Demografie: Die geburtenstarken Jahrgänge gehen in Pension, es rücken weniger Junge nach, und die Zuwanderung gleicht die Lücke nur teilweise aus. Dazu kommen Verschiebungen bei der Berufswahl – handwerkliche und Pflegeberufe verlieren im Wettbewerb um Lernende gegen Büro- und Studienlaufbahnen. Für Arbeitgeber heisst das: Es wird nicht besser. Wer seine Rekrutierung darauf ausrichtet, dass sich der Markt erholt, plant mit einer Illusion.
Was KMU konkret tun können
- Passive Kandidaten erreichen: Die Mehrheit der Wechselwilligen sucht nicht aktiv. Kanäle wie Social Recruiting und Formate wie Video-Recruiting holen sie dort ab, wo sie sind.
- Hürden abbauen: Jede unnötige Hürde im Bewerbungsprozess kostet in einem Engpassmarkt real Kandidaten – siehe Mobile Recruiting.
- Schneller entscheiden: Im Engpassmarkt gewinnt oft nicht das beste Angebot, sondern das schnellste. Antwortzeiten in Tagen statt Wochen – etwa per WhatsApp.
- Selbst ausbilden: Wer Lernende gewinnt und nach der Lehre hält, macht sich vom Markt unabhängiger.
- Als Arbeitgeber sichtbar werden: In Engpassberufen entscheidet die Arbeitgebermarke, wen die wenigen Wechselwilligen überhaupt in Betracht ziehen – siehe Employer Branding.
Häufige Fragen zum Fachkräftemangel
Welche Branchen trifft es am härtesten?
Konstant weit oben: Gesundheits- und Pflegeberufe, Bau- und Ausbaugewerbe, Gastronomie und Hotellerie, technische Berufe und IT. Die jährlich aktualisierten Rankings publizieren Stellenmarkt-Analysen wie der Fachkräftemangel-Index Schweiz.
Hilft mehr Lohn gegen den Fachkräftemangel?
Lohn ist Hygiene, nicht Differenzierung: Ein unfaires Angebot disqualifiziert, aber ein übermarktliches allein füllt keine Pipeline – zumal die Konkurrenz nachziehen kann. Nachhaltiger wirken Erreichbarkeit der Zielgruppe, Prozessgeschwindigkeit und eine glaubwürdige Arbeitgebermarke.
Was hat die Stellenmeldepflicht mit dem Fachkräftemangel zu tun?
Nichts direkt – im Gegenteil: Die Stellenmeldepflicht greift bei Berufsarten mit hoher Arbeitslosigkeit, also am anderen Ende des Spektrums. Ein Betrieb kann von beidem betroffen sein: meldepflichtige Hilfskraft-Stellen und gleichzeitig unbesetzbare Fachstellen.
